Praxis für Praktische Pädagogik
Christina Paul

Evolutionspädagogik

So, wie sich im Laufe der Evolution das Leben auf der Erde entwickelt hat, so hat sich auch unser Gehirn entwickelt. Zu Beginn gab es auch der Erde nur Leben im Wasser. Das Gehirn des Fisches hat hauptsächlich die Aufgabe, lebenswichtige Funktionen zu steuern, wie z. B. Herzschlag, Sauerstoffaufnahme, Kreislauf und Verdauung.

Als nächstes entwickelten sich die Amphibien, Lebewesen, die sowohl an Land als auch im Wasser leben können. Auch sie benötigen deshalb das oben genannte „Fischhirn“. Aber eine Weiterentwicklung des Gehirns war notwendig, um die Vorwärtsbewegung an Land und auch die Sauerstoffaufnahme durch die Lunge zu ermöglichen. So hat sich bei jeder Evolutionsstufe das Gehirn weiterentwickelt bis zum Frontalkortex beim Menschen, der es uns ermöglicht, über uns selbst zu reflektieren. Jede Evolutionsstufe hat also ihren Sinn, ihre Daseinsberechtigung.

Kommt ein Baby zur Welt, so ist das Gehirn natürlich schon angelegt. Im Laufe der Jahre erfolgt nun die Vernetzung der einzelnen Evo-Stufen. Indem das Baby vorwärts robbt (Amphibie), krabbelt (Säugetier), klettert (Affe), Indianer spielt, sich anmalt oder trommelt (Urmensch) werden alle Evo-Stufen durchlebt und vernetzt.

Wurde eine Evo-Stufe nicht ausreichend trainiert oder ist die Vernetzung auf einer Evo-Stufe blockiert, so kann es sein, dass unter Stress die Wahrnehmung und das Verhalten aus der jeweiligen Evo-Stufe heraus erfolgt.

Die sieben Stufen der Evolution:

Fisch Einfach da sein ist genug
Amphibie Schüchtern sein heißt sich schützen können
Reptil Aggressiv sein heißt kraftvoll sein
Säugetier Ängstlich sein heißt Gefühle zeigen können
Affe Egoistisch sein heißt für sich sorgen können
Urmensch Laut sein heißt seine Position finden
Mensch Unvollkommen sein heißt noch wachsen können

 

Schaubild 4

Beispiel:

Ein Kind reagiert bei Hausaufgabenproblemen mit Aggression. Die Mutter versucht, die Aufgabe immer wieder zu erklären, das Kind reagiert darauf aber nur noch aggressiver. Es kann sich nicht in Ruhe auf die Aufgabe konzentrieren.

Das Kind befindet sich in dem Moment auf der „Reptilien-Stufe“. Durch die Bewegungsübung des Reptils kann es diese Stufe verlassen, die Konzentration auf die Aufgabe ist wieder möglich.

Weiteres Beispiel:

Ein Kind hat immer an Tagen, an denen Proben oder Schulaufgaben geschrieben werden, morgens Bauchschmerzen. Während des Tests hat es starkes Herzklopfen, schwitzige Hände und ein „Grummeln“ im Magen oder Darm.

Dieses Kind fällt bei Stress auf die „Fisch-Stufe“. Das wird daran deutlich, dass die Organe, für die das Fischhirn (= Stammhirn) verantwortlich ist, sich bemerkbar machen.

Durch die Ausübung der entsprechenden Evo-Übung ist es möglich, künftig stressfrei an Tests und Proben heranzugehen.